Fritz Werfs letzter Lyrikband erscheint posthum
ZEITGedichte überzeugt in Sprache, Form und Inhalt

Nachdem der Andernacher Pädagoge, Dichter und Verleger Fritz Werf im Jahr 2021 verstorben war, hinterließ er seiner Frau Rosa und den Kindern das abgeschlossene Manuskript zu seinem letzten Lyrikband ZEITGedichte. Bis aus dem Stoß Papier das bibliophil anmutende Buch werden sollte, gingen über vier Jahre ins Land. Werfs Sohn Jan, seines Zeichens Mediengestalter, nahm sich der Gestaltung des Herzensprojektes seines Vaters an. Allein das Cover, welches eine Uhr in den Weiten des Himmels abbildet, nimmt den Blick gefangen. Aber erst der Inhalt offenbart Fritz Werfs Talent, poetischen Worten Bedeutung beizumessen. Der Dichter und Germanist Joachim Krause steuert ein Nachwort bei, das den Leser an die Hand nimmt, ihn nicht allein lässt. Werfs Lyrikband versammelt rund 50 ZEITGedichte, die sich von seinem bisherigen Werk gänzlich unterscheiden. Seine Frau Rosa Werf betont: „Der Anspruch meines Mannes an die eigenen Texte war sehr hoch. Mit jedem Band vollzog sich bei ihm ein Wandel in Sprache, Inhalt und Form.“ Die ZEITGedichte sind keine leichte Kost, aber ein literarischer Mehrwert. Sie sezieren die aktuellen gesellschaftlichen Zustände auf ungewöhnliche Weise. Werf sammelte über einen längeren Zeitraum Wortschnipsel aus den Zeitschriften Die Zeit und Der Spiegel. Im Nachgang setzte er aus den Fragmenten seine Lyrik zusammen und verzichtete auf jegliche Satzzeichen. Entstanden sind Texte, die die Sinne prüfen. Wo beginnt der Satz? Wo endet ein Vers? Wie müssen Zeilenumbrüche gewichtet werden? Der Dichter spielt mit Doppeldeutigkeiten und fordert seine Leserschaft heraus, aus tradierten Gewohnheiten auszubrechen. Inhaltlich drehen sich seine Gedichte um die neuen Medien und das Erstarken der künstlichen Intelligenz als fundamentale Bedrohung unserer verletzbaren Sinnlichkeit. Ohne die Digitalisierung zu verteufeln, setzt er sich kritisch mit den Chancen und Gefahren der Zukunftstechnologien für die Menschheit auseinander. Doch Werf bewahrt trotz aller Resignation seinen Glauben an das Gute und Schöne. Die Hoffnung auf eine gerechtere Welt ist der sprießende Keim seiner Poesie. In den ZEITGedichten sind sowohl Werfs Verzweiflung als auch sein Überlebenswille ausgedrückt. Das Poem „Immer reich“ bringt seine Grundhaltung auf den Punkt: „Meditierend/ über das Projekt/ einer gerechteren Welt/ ist die Stille ein Schmerz/…/ Wenn du/ da bist bin ich immer reich/ sind wir fürs erste außer Gefahr/ Liebende sterben zuletzt/.

Rezension von Michael Harbeke

Infobox:
Der von seiner Familie posthum veröffentlichte Lyrikband ZEITGedichte komplettiert das Werk des verstorbenen Andernacher Pädagogen Lyrikers und Verlegers Fritz Werf (1934-2021). ZEITGedichte ist zum Preis von 14,90 Euro in der Andernacher Buchhandlung Anker erhältlich.